La Face de la diversité – Einführung

Für Jahrzehnte war das Bild der „deux solitudes“ ein umstrittenes und dennoch populäres Motiv in der Selbstbetrachtung der kanadischen Gesellschaft: „Zwei Einsamkeiten“ beschrieb dabei nicht nur das (Nicht)-Verhältnis zwischen dem frankophonen Québec und den anglophonen Provinzen des Landes, sondern vermittelte willkürlich auch eine diffuse Vorstellung von zwei in sich geschlossenen, kulturell, sozial und ethnisch weitgehend homogenen Entitäten.

Doch ab Ende des 20. Jahrhunderts wurden zunehmend andere, neue Selbstbilder sichtbarer, die dieser monolithischen, noch von der kolonialen Gründungsgeschichte Kanadas geprägten Weltsicht widersprachen. Vormals marginalisierte Stimmen verschafften sich nicht nur politisch Gehör, sie artikulierten sich ausdruckstark in Literatur, bildender Kunst und insbesondere im Kino. Heute berichten Filmerzählungen von den oft traumatischen Erfahrungen der indigenen Bevölkerung ebenso wie von der aktuellen Lebenswirklichkeit von Migrant:innen im historischen Einwanderungsland Kanada; sie schildern den Alltag queerer Menschen, das Ringen um Emanzipation und Wahrnehmung in komplexen sozialen Strukturen und die Identitätssuche vermeintlicher Außenseiter. Das macht das zeitgenössische Cinéma Québecois und seine Filmschaffenden so vielfältig und vielstimmig wie die Gesellschaft, aus der er es kommt und deren Realität seine Filme reflektieren.

Unter dem Titel La Face de la diversité widmet sich die zweite Retrospektive Rendez-vous Québec dieser künstlerischen Vielfalt mit einer Auswahl herausragender Filme aus den letzten drei Jahren sowie moderner Klassiker des Cinema Québecois. Die Themen und Genres sind dabei so divers wie die Persönlichkeiten vor und hinter der Kamera, was die Filme indes verbindet, ist ihr mitreißendes Plädoyer an das Publikum, sich selbst neue Perspektiven zu eröffnen, die unsere gemeinsame Welt reicher machen.